ADHS-Therapie:
Medikamente bei ADHS

In manchen Fällen können Medikamente bei ADHS sinnvoll sein. Das gilt insbesondere dann, wenn der Leidensdruck als sehr hoch empfunden wird oder die Symptome zu Problemen im Alltag führen (z. B. Angst um den Arbeitsplatz durch unzureichende Konzentration und Aufmerksamkeit).

Präparate zur Behandlung von ADHS führen oft schnell zu einer Verbesserung der Symptomatik.

So wirken ADHS-Medikamente:

  • Die Medikamente verändern das Zusammenspiel bestimmter Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter)
  • Die Konzentration und Wirkungsdauer der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin wird verändert
  • Die Symptomatik wird in der Regel rasch reduziert
Gut zu wissen: Häufig wird eine medikamentöse ADHS-Therapie mit einer Psychotherapie kombiniert.

Welche Medikamente
gegen ADHS gibt es?

Zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sind in Deutschland Arzneimittel mit den Wirkstoffen Methylphenidat und Atomoxetin zugelassen.

Methylphenidat: Der Goldstandard
der medikamentösen Therapie

Methylphenidat gilt heute nach wie vor als Mittel der 1. Wahl bei ADHS im Erwachsenenalter – Experten sprechen hier vom sogenannten „Goldstandard“.1 Die Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in diversen Studien wissenschaftlich geprüft.

1 D. Ebert, Freiburg · J.Krause, Ottobrunn · C. Roth-Sackenheim, Andernach (Hrsg.): ADHS im Erwachsenenalter – Leitlinien auf der Basis eines Expertenkonsensus mit Unterstützung der DGPPN.

Ein ADHS-Medikament mit Methylphenidat kann grundsätzlich nur vom Arzt verordnet werden.

Methylphenidat: Steckbrief

  • Wirkweise
    • Erhöhung der Dopamin-Konzentration im Gehirn
    • Verbesserung der Weiterleitung von Nervenimpulsen
  • Therapie-Verlauf
    • Körperliche Untersuchung vor Beginn der medikamentösen Therapie
    • Eindosierungsphase: Schrittweise Dosis-Erhöhung bis zur individuellen Ziel-Dosis (bis zum optimalen Wirkeffekt)
    • In der Regel nach kurzer Zeit deutliche Besserung der ADHS-Symptomatik
    • Notwendigkeit der Therapie wird in regelmäßigen Zeitabständen (ca. 1 x im Jahr) überprüft
  • Wann Methylphenidat nicht geeignet ist (Beispiele)
    • Herzrhythmusstörungen
    • Erhöhter Blutdruck
    • Drogenmissbrauch
    • Alkoholmissbrauch
    • Schwangerschaft
  • Wirkdauer
    • Tabletten mit Methylphenidat haben eine Wirkdauer von ca. 8 Stunden – die Einnahme 1-2 Mal pro Tag ist in der Regel ausreichend
  • Verträglichkeit
    • Werden vor Therapiebeginn alle wichtigen Faktoren abgeklärt, ist die Einnahme von ADHS-Tabletten in der Regel risiko- und nebenwirkungsarm
    • Bei vorschriftsmäßiger Einnahme gibt es keine Hinweise darauf, dass Methylphenidat eine Abhängigkeit erzeugt
    • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind üblich (Körpergewicht sowie der psychische und kardiovaskuläre Status müssen kontinuierlich überwacht werden)
  • Mögliche Nebenwirkungen von Methylphenidat

    Nebenwirkungen treten meist nur in der Anfangsphase der Einnahme auf und bilden sich häufig mit der Zeit zurück:

    • Appetitverlust
    • Schlafstörungen
    • Kopfschmerzen
    • Leicht erhöhter Blutdruck und Puls
    • Vermehrtes Schwitzen

ADHS-Medikamente: Effekte

Nach der Einnahme von ADHS-Tabletten oder ADHS-Kapseln berichten viele Betroffene über eine deutliche Besserung der ADHS-Symptomatik innerhalb kurzer Zeit.

Positive Effekte sind in der Regel:

  • Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
  • Bessere Kontrolle über das eigene Verhalten (Verringerung von Impulsivität)
  • Verringerung von motorischer Hyperaktivität und innerer Unruhe

Dies ist häufig die notwendige Basis, um weiterführende Therapiemaßnahmen wie z. B. Psychotherapie möglich zu machen.

Medikamente bei ADHS –
Ja oder Nein?

Ob Medikamente zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden, ist eine sehr individuelle Entscheidung.

Fragen, die sich Betroffene stellen sollten, sind:

  • Wie stark empfinde ich den Leidensdruck, der von den Symptomen der ADHS ausgeht?
  • Habe ich besondere Probleme im Alltag, die ich durch eine Verringerung der Symptome besser bewältigen könnte?

Wenn diese zentralen Themen durch eine medikamentöse Therapie angegangen werden können, dann kann – in Absprache mit dem Arzt – die Entscheidung für Medikamente fallen. Eine zusätzliche Psychotherapie kann dann eine gute Option sein, um langfristig bestimmte Strategien für den Alltag an die Hand zu bekommen.

UPDATE: Eine aktuelle Studie belegt, dass die medikamentöse ADHS-Therapie bei Erwachsenen bessere Erfolge erzielen kann als eine reine Psychotherapie. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte COMPAS-Studie (Dez 2015) verglich dabei die Gabe von Medikamenten mit und ohne Gruppenpsychotherapie gegenüber nicht medikamentösen Therapien. (Quelle)
Mike P. (28 Jahre) Ich habe den Eindruck, dass ich mich viel besser als früher auf Besprechungen konzentrieren kann. Denn dies war eines meiner Hauptprobleme am Arbeitsplatz, dass ich mich häufig im Anschluss nicht an den Inhalt erinnern konnte und Kollegen nochmals darauf ansprechen musste, was vereinbart worden war. Jetzt gelingt es mir ohne Probleme, während der gesamten Besprechung bei der Sache zu bleiben. Eigentlich wäre es typisch für mich gewesen, beim Zuhören plötzlich an etwas anderes zu denken und Teile der Besprechung einfach nicht mitzubekommen.