ADHS & Partnerschaft

ADHS kann in der Partnerschaft zu deutlichen Problemen führen. Stimmungsschwankungen, Chaos und Unzuverlässigkeit können Unverständnis und Verletzungen beim Partner hervorrufen. Beziehungsprobleme sind bei ADHS deshalb keine Seltenheit.

  • Häufig ist das Verhalten bei ADHS regelrecht unberechenbar – schon Kleinigkeiten können zu heftigen Wutausbrüchen führen. Diese sind zwar häufig innerhalb von Minuten wieder verflogen – doch der Partner bleibt entsprechend verunsichert oder gekränkt zurück.
  • Auch Endlosdiskussionen sind bei ADHS typisch.
  • Pflichten, Regeln und Verabredungen können zur Herausforderungen werden. Menschen mit ADHS finden immer neue Ausreden und Ausflüchte, um sich irgendwie vor den langweiligen, monotonen oder anstrengenden Seiten des Lebens zu drücken.

Hier finden Sie einige Lösungsstrategien für häufige Probleme in der Partnerschaft bei der Diagnose ADHS.

Wichtig: Sollten Sie mit diesen Strategien nicht vorankommen oder haben Sie von vornherein das Gefühl, neutrale Hilfe von außen zu benötigen, kann eine Paartherapie der richtige Weg sein.

ADHS: Beziehungsprobleme & Lösungsansätze

  • Problembereich "KOMMUNIKATION"
    ADHS: Partnerschaft - Kommunikation
    Kommunikation: SIE

    Sie denkt...

    „Das gibt es nicht! Er bekommt überhaupt nicht mit, wie ich fühle. Ich kann das nicht verstehen. Die andere Frau interessiert ihn mehr als ich.“ „Der muss doch merken, dass er mich verletzt.“ „Ich hatte mich so auf den Abend gefreut!“

    Sie ist immer wieder enttäuscht über seine mangelnde Empathie und das große Interesse an anderen Personen, wenn es doch eigentlich um ihre Partnerschaft gehen soll.

    Kommunikation: ER

    Er denkt...

    „Was hat sie denn schon wieder, die spinnt total. Sie nervt mich – ich mache überhaupt nichts und sie reagiert total über. Diese alte Meckertante. Selbst so einen schönen Abend macht sie kaputt. Ob unsere Beziehung überhaupt noch einen Sinn hat.“ „Ich hatte mich so auf den Abend gefreut!“

    Er ist genervt von den dauernden Belehrungen und dem ewigen Nörgeln an seiner Person. In seiner Schwarz-Weiß-Sicht zweifelt er sofort an der ganzen Beziehung.

    Konkrete Probleme, die mit ADHS zusammenhängen:

    • Mangelnde Gesprächsbereitschaft in der Partnerschaft
    • Ablenkbarkeit („Hörst Du mir überhaupt zu?“)
    • Häufig Fokus auf andere Dinge, andere Personen, als auf den Partner

    Reaktion des Partners:

    • Ständiges Kritisieren
    • Zweifeln an der Beziehung
    • Zweifeln am Interesse an der eigenen Person

    Folgen für den Partner mit ADHS:

    • Wird häufig kritisiert
    • Fühlt sich missverstanden
    • Zweifeln an der Beziehung

    Hauptmaßnahmen:

    • Miteinander sprechen, Kommunikationsverhalten ändern
    • Regelmäßige Termine für Paargespräche vereinbaren

    Konkrete Maßnahmen:

    • Wiederkehrende Dialoge durchspielen und alternative Fortsetzungen entwickeln
    • Nörgeln am Partner einstellen – eher Fokus auf ADHS richten („Ich könnte diesem blöden ADHS an die Gurgel gehen“ statt „Ich könnte Dir an die Gurgel gehen“)

    Tipps für eine bessere Kommunikation:

    Feedbackregeln

    • Mit dem Positiven beginnen (Zuspruch, Anerkennung)
    • Dinge beschreiben, nicht bewerten!
    • Keine Verallgemeinerungen (nicht „Nie beachtest Du mich“ – sondern: „Heute im Restaurant habe ich mich nicht beachtet gefühlt“)
    • Probleme möglichst genau beim Namen nennen
    • Schlagen Sie konkrete Lösungen vor („Es würde mir sehr gut tun, wenn Du künftig anrufst, wenn Du Dich verspätest“)

    Der richtige Ort:

    • Wählen Sie als Gesprächs-Ort eine ruhige Umgebung und schalten Sie Störfaktoren (z. B. Fernseher, Handy) aus

    Der richtige Zeitpunkt:

    • Achten Sie auf die Stimmung des Partners, wenn Sie wichtige Themen ansprechen wollen und warten Sie ggf. ab
    • Respektieren Sie, wenn der Partner sich Ruhe wünscht
  • Problembereich "IMPULSKÄUFE"
    ADHS: Impulskäufe
    Impulskäufe: SIE

    Sie denkt...

    „Langweiler! Er freut sich auch, wenn ich gut aussehe. Und keine der Brillen habe ich zum vollen Preis gekauft – ich achte schon aufs Geld. So ein Spaßverderber und Geizkragen – hat unsere Beziehung überhaupt noch einen Sinn? Der versteht mich sowieso nie.“

    Sie ist genervt von den dauernden Streitigkeiten und dem ewigen Nörgeln an ihrer Person. In ihrer Schwarz-Weiß- Sicht zweifelt sie sofort an der ganzen Beziehung.

    Impulskäufe: ER

    Er denkt...

    „Diese Frau ist total verrückt! Nie kann sie eine Sache nur ein Mal kaufen, wenn sie sich für etwas begeistert – es muss immer mehrfach sein, manchmal sogar die gleichen Dinge. Sie weiß doch, dass wir auf unser Geld achten müssen, und jeden Monat pumpt sie mich oder ihre Eltern an.“

    Er kann nicht fassen, dass sie Dinge – nicht nur Brillen oder Kleider – immer gleich x-mal kauft. Er versteht nicht, dass sie nie an die gemeinsamen Finanzen denkt.

    Konkrete Probleme, die mit ADHS zusammenhängen:

    • Impulskäufe ohne den Blick auf die gemeinsamen Finanzen
    • Unnötige Einkäufe

    Reaktion des Partners:

    • Unverständnis
    • Nörgeln
    • Wut

    Folgen für den Partner mit ADHS:

    • Fühlt sich kritisiert, in seiner Begeisterung gebremst
    • Ist genervt
    • Zweifelt an der Beziehung

    Hauptmaßnahmen:

    • Mehr Toleranz gegenüber den Bedürfnissen des Anderen (individuelle „Spleens“ müssen manchmal zugelassen werden)
    • Rahmenbedingungen schaffen, um Impulskäufe zu vermeiden (erst, wenn die Wut verflogen ist!)

    Konkrete Maßnahmen:

    • Gemeinsam errechnen: Wie viel Geld steht wöchentlich zur freien Verfügung (Fixkosten einbeziehen!)
    • Diesen „Freibetrag“ durch 4 teilen – so kommen Sie auf den Betrag, den jeder Partner wöchentlich problemlos ausgeben kann
    • Überlegen Sie, wofür Sie das Geld ausgeben wollen (z. B. Gegenstände, Unternehmungen)
    • Legen Sie fest, ab welchem Preis sich beide Partner verpflichten, nicht sofort zuzuschlagen und lieber noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen (Impulskontrolle)
  • Problembereich „STIMMUNGSSCHWANKUNGEN“
    ADHS: Stimmungsschwankungen
    Stimmungsschwankungen: SIE

    Sie denkt...

    „Auf nichts kann ich mich bei Ihm verlassen – ich muss alles kontrollieren und das meiste klappt dann auch nicht… Seit Wochen geht es um diese Badewanne – und ihm ist es egal ob der Installateur kommt oder nicht. Ruft nicht mal an ...Und die Rechnung – wieder typisch. Geld auf dem Konto, stapelt die Rechnungen bis sie verfaulen ... Ich räume hier jetzt nicht auf – ich gehe gleich ins Bett.“

    Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass er irgendwann auch das umsetzt, was er versprochen hat und auch initiativ mitdenkt. Sie kann einfach nicht nachvollziehen, weshalb er Rechnungen nicht zahlt und alltägliche Dinge vergisst. Langsam hat sie das Gefühl, er macht das, um ihr zu zeigen, dass sie und die Beziehung ihm nicht mehr wichtig sind.

    Stimmungsschwankungen: ER

    Er denkt...

    „Vier Tage weg und das erste was kommt sind Vorhaltungen. Immer das Gleiche. Um was soll ich mich noch alles kümmern, die spinnt total und die Ärztin auch – ne Klage nach ein paar Mahnungen…. Ich gehe jetzt zu meinem Kumpel. Soll die doch ihren Kram alleine machen.“

    Er findet das alles nicht so schlimm und ärgert sich über ihre Kontroll- Anfälle. Kaum zuhause schaut sie zuerst, was nicht passt und hält ihm dies auch gleich wie eine Furie vor, anstatt sich zu freuen, dass sie jetzt wieder zusammen sind. Sie kann und will ihn offenbar nicht so akzeptieren wie er ist. Und er war doch noch nie anders. Die Freundinnen seiner Kumpels sind alle viel toleranter.

    Konkrete Probleme, die mit ADHS zusammenhängen:

    • Plötzliche Wutausbrüche oder Deprimiertheit– auch bei geringen Anlässen (Emotionale Achterbahnfahrt)

    Reaktion des Partners:

    • Fühlt sich verletzt
    • Fühlt sich vernachlässigt
    • Ist irritiert

    Folgen für den Partner mit ADHS:

    • Fällt in ein Stimmungstief (von himmelhoch jauchzend zu „zu Tode betrübt“) – meist allerdings nur kurzzeitig
    • Zweifelt an der Beziehung

    Hauptmaßnahmen:

    • Ruhe bewahren
    • Gegenseitiger Respekt
    • Humor

    Konkrete Maßnahmen:

    • Humor: Bei einem Wutanfall besteht meist eine gewisse Situationskomik – wie wäre es, wenn Sie als Partner diese aufgreifen und der Situation mit Humor begegnen? Manchmal hilft es dabei auch, dem anderen einen „Spiegel“ vorzuhalten („Pass auf, ich spiegel Dich jetzt“… und dann wiederholen Sie seine Reaktion)
    • Time-Out: Bei einer besonders impulsiven, nicht nachvollziehbaren Reaktion ist es manchmal besser, den Raum zu verlassen
    • Wiederaufnahme des Kontakts: Nach der Sendepause ist natürlich Kommunikation wieder wichtig. Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner ein Symbol, das anzeigt: „Ja, ich will wieder mit Dir sprechen“ oder „Ja, ich will wieder mit Dir sprechen und wir können auch das Konfliktthema besprechen“ oder „Nein, ich brauche noch meine Ruhe“. Sie benötigen also 3 Symbole (z. B. Handzeichen, Gegenstände)
    • Sprechen Sie die Konfliktsituation an, wenn die Wut abgeebbt ist

    Lesen Sie hier mehr über das Symptom Impulsivität .

  • Problembereich "ORGANISATION"
    ADHS: Organisation
    Organisation: SIE

    Sie denkt...

    „Auf nichts kann ich mich bei Ihm verlassen – ich muss alles kontrollieren und das meiste klappt dann auch nicht… Seit Wochen geht es um diese Badewanne – und ihm ist es egal ob der Installateur kommt oder nicht. Ruft nicht mal an ...Und die Rechnung – wieder typisch. Geld auf dem Konto, stapelt die Rechnungen bis sie verfaulen ... Ich räume hier jetzt nicht auf – ich gehe gleich ins Bett.“

    Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass er irgendwann auch das umsetzt, was er versprochen hat und auch initiativ mitdenkt. Sie kann einfach nicht nachvollziehen, weshalb er Rechnungen nicht zahlt und alltägliche Dinge vergisst. Langsam hat sie das Gefühl, er macht das, um ihr zu zeigen, dass sie und die Beziehung ihm nicht mehr wichtig sind.

    Organisation: ER

    Er denkt...

    „Vier Tage weg und das erste was kommt sind Vorhaltungen. Immer das Gleiche. Um was soll ich mich noch alles kümmern, die spinnt total und die Ärztin auch – ne Klage nach ein paar Mahnungen…. Ich gehe jetzt zu meinem Kumpel. Soll die doch ihren Kram alleine machen.“

    Er findet das alles nicht so schlimm und ärgert sich über ihre Kontroll- Anfälle. Kaum zuhause schaut sie zuerst, was nicht passt und hält ihm dies auch gleich wie eine Furie vor, anstatt sich zu freuen, dass sie jetzt wieder zusammen sind. Sie kann und will ihn offenbar nicht so akzeptieren wie er ist. Und er war doch noch nie anders. Die Freundinnen seiner Kumpels sind alle viel toleranter.

    Konkrete Probleme, die mit ADHS zusammenhängen:

    • Absprachen werden nicht eingehalten
    • Gemeinsam verabredete Aufgaben werden nicht erledigt
    • Rechnungen werden nicht bezahlt

    Reaktion des Partners:

    • Ist wütend
    • Fühlt sich nicht ernst genommen
    • Hat das Gefühl, alles alleine machen zu müssen

    Folgen für den Partner mit ADHS:

    • Kann die ganze Aufregung nicht verstehen (ist doch alles nicht so wild)
    • Fühlt sich kontrolliert
    • Fühlt sich nicht akzeptiert

    Hauptmaßnahmen:

    • Klare Aufgabenverteilung
    • Sich gegenseitig Freiräume zugestehen

    Konkrete Maßnahmen:

    • Haushaltsplan: Überlegen Sie gemeinsam, welche Aufgaben anstehen und verteilen Sie diese gerecht in einem gemeinsamen Haushaltsplan:

    Beispiel:

    1
    Täglich anfallende Aufgaben
    Was muss getan werden?
    Von wem?
    Zu welchem Zeitpunkt?
    Spülmaschine einräumen
    Markus
    nachdem Frühstück/Abendessen
    Betten machen
    Markus/Eva abwechselnd
    nach dem Frühstück
    2
    Wöchentlich anfallende Aufgaben
    Staubsaugen
    Markus
    Samstag
    Müll raus bringen
    Eva
    Mittwoch abend
    Blumen gießen
    Markus
    Sonntag
    3
    Selten/periodisch anfallende Aufgaben
    Steuerklärung
    Eva
    bis Ende Februar
    Fenster putzen
    Markus/Eva abwechselnd
    1 x im Monat, jweils in der ersten Woche
    • Regelmäßige Paargespräche: Überprüfen Sie Ihren Haushaltsplan auf Alltagstauglichkeit
    • Werfen Sie als Partner auch einen kritischen Blick auf sich selbst: Vielleicht bin ich auch ein Ordnungsfanatiker? So könnte das Urteil gegenüber dem anderen etwas milder ausfallen

    Lesen Sie hier mehr zum Thema Hilfe bei Chaos/ Desorganisation .

  • Problembereich "SEXUALITÄT"
    ADHS: Sexualität
    Sexualität: SIE

    Sie denkt...

    „Mensch, ich darf nicht vergessen Eva anzurufen. Mein Freund spinnt. Klar, kann ich nicht immer 100% bei ihm sein, das wäre schon noch angelaufen. Ich brauche halt meine Zeit, bis ich in Stimmung bin. Bin ja auch keine Maschine, die auf Knopfdruck funktioniert. Außerdem hab ich so viel um die Ohren, da fällt mir schon mal das ein oder andere ein beim Kuscheln.“

    Ihr fällt es auch beim erotischen Kontakt schwer sich auf eine Sache – in diesem Fall Sexualität – zu konzentrieren. Oft muss sie sich richtig zusammenreißen, um dabeizubleiben. Dann aber geht es, doch sie braucht eben mehr Zeit. Außerdem führt die immer gleiche Routine mit ihrem Freund nicht gerade dazu, dass der Sex reizvoll bleibt.

    Sexualität: ER

    Er denkt...

    „SO kann das nicht weitergehen! Wie sind wir am Anfang übereinander hergefallen. Jetzt wirkt sie beim Sex mit mir total gelangweilt und fängt schon an über Freundinnen zu erzählen. Sie hat überhaupt keine Lust mehr, mit den Gedanken ist sie irgendwo. Und wenn ich mit ihr reden will, kapiert sie nicht mal, was ich meine. So macht das keinen Spaß mehr.“

    Er fühlt sich durch ihr Verhalten abgewiesen und verliert selbst immer mehr die Lust an Sexualität mit Ihr. Ihn frustriert, dass sie nicht versteht worum es ihm geht. Sie sieht bei sich keine Probleme, sondern macht ihn zum Problem.

    Konkrete Probleme/ Besonderheiten, die mit ADHS zusammenhängen:

    • Schwierigkeiten, auch mit dem Kopf „bei der Sache zu bleiben“
    • Lust auf Abwechslung – Monotonie wirkt „abtörnend“

    Reaktion des Partners:

    • Fühlt sich abgewiesen
    • Die Lust an Sexualität geht verloren

    Folgen für den Partner mit ADHS:

    • Langeweile an Sexualität
    • Die Probleme werden auf den anderen abgewälzt („Du bist langweilig im Bett“)

    Hauptmaßnahmen:

    • Über Sexualität sprechen
    • Bewusstwerden über die eigenen Wünsche

    Konkrete Maßnahmen:

    • Miteinander sprechen: Direkt oder auch per Brief, E-Mail oder Chat. Dabei ohne Vorwürfe argumentieren, sondern eher das subjektive Empfinden schildern. Vergessen Sie dabei auch nicht, positive Seiten hervorzuheben!
    • Nicht persönlich nehmen: ADHS ist meist der Grund dafür, dass Betroffene in Gedanken oft nicht „bei der Sache“ sind – nicht SIE als Partner! Es geht darum, herauszufinden: Welche Voraussetzungen brauchen wir, um uns wirklich aufeinander einzulassen?
    • Achtsamkeitsübungen: Dabei geht es sich darum, sich voll und ganz auf ein Gefühl oder eine Situation einzulassen und die Situation mit allen Sinnen wahrzunehmen – völlig wertfrei. Beispiel: Nehmen Sie einen Büschel Haare Ihres Partners in die Hand und beschreiben Sie ihm was Sie fühlen, riechen und sehen.
    • Bleiben Sie im Gespräch: Nicht immer lässt sich gleich eine Lösung für ein Problem finden. Wichtig ist, dass Sie trotzdem im Gespräch bleiben.